New romantic Offensive aus Osnabrück, die aus Tina von Garrel und Streetman besteht. Seit 2001 in dieser Kombination musikalisch tätig, überraschen sie durch eine Mischung aus gefälligen Songs und einer gewissen Note todtrauriger Elegie.
Das Abschweifen in Popregionen ist durchaus gewollt, die Tiefen des Lebens zu betanzen finden die beiden wichtig und provozierend zugleich. Die Texte handeln vordergründig von Verlust, Trauer, Vergeltung und der Liebe.
Schon erstaunlich wenn man bedenkt, dass die musikalischen Wurzeln beider aus Genres wie Blues, Rock und Progressive Rock kommen. Bei Namen wie Marillion, Genesis, Melissa Etheridge oder Beth Hart erwachen die beiden zur Höchstform.
Bei Artistic Sound lebt das Gesamtbild von der beklemmend rauen Stimme Tina von Garrel´s. Sie versetzt den Zuhörer in das Gefühl, nach dem Genuss der Songs besser seinen Seelendoktor aufzusuchen. Artistic Sound ist eine gelungene Alternative für diejenigen, die der alltägliche Chartmüll zu peinlich, und die mystischen Klänge anderer Bands zu trocken ist.
Im Jahr 2000 erschien die erste cd „Abschied“. Trotz einiger positiver Rezensionen lief der Verkauf schleppend. 2001 stieß dann Tina von Garrel dazu. Vorher in Bands wie „Karin geht Baden“ oder „Jailed Generation“ tätig, war sie zunächst nur als Gaststimme für das Album „One night stand“ (2002) geplant. Aus diesem One night stand wurde eine Beziehung und Tina wurde Mitglied des Projekts.
Nachdem Streetman 2003 noch ein Album solo veröffentlichte ging man 2004 wieder gemeinsam ins Studio. Die Veröffentlichung von „Different angle“ (2005) schlug wie ein Feuerwerk ein. Positive Rezensionen über dieses Konzeptalbum folgten. Erstmals hatte sich Tina als Texterin für Artistic Sound betätigt, der Song „The rite“ schaffte den Sprung auf den „Return to light vol. 2“-Sampler, “Submarine” hielt sich wochenlang in diversen Online-Charts.
Nach einer privat bedingten Arbeitspause Tina's steht Ende 2008 das nunmehr fünte gemeinsame Album "5" an.
Mit ihrem letzten Werk "Suicide TV" wurden Artistic Sound seitens ihres Vertriebs streetman4u mehr als positiv angepriesen. Das änderte jedoch nichts an der Tatsache, dass das Album seitens der Presse letztlich sehr unterschiedlich, teilweise auch kritisch aufgenommen wurde. Gute Songs waren wie immer erkennbar, doch konnte der Longplayer keinen gehobenen Status erreichen.
Lediglich etwas länger als ein Jahr hat es gedauert, bis Artistic Sound mit ihrem Nachfolger namens "5" einen erneuten Anlauf nehmen, um der breiten Masse zu entfliehen. Als Aushängeschild erweist sich die unverkennbar sinnliche Stimme von Tina von Garrel, die dem Ganzen einen eigenen Charakter verleiht. Gelegentlich setzt sich auch ihr Bandkollege stimmlich in Szene und begleit auf mehrstimmige Art und Weise die einprägsamen Momente, ohne dabei aufdringlich oder vordergründig zu klingen. Auf instrumentaler Seite hat sich nicht viel geändert, nur kommt an manchen Stellen das Gefühl auf, dass der Härtegrad (wenn man es bei Artistic Sound so nennen möchte) ein wenig gesteigert wurde.
Zu diesem Eindruck gelangt der Hörer sogar gleich zu Beginn, nachdem der Song „Toxic“ einsetzt, der an erster Stelle wesentlich rockiger klingt, und im weiteren Verlauf des Songs ungeahnte Seiten erreicht. Die Produktion klingt druckvoll und unterstützt sicherlich den Eindruck eines gewachsenen Songwritings. Die Abwechslung gestaltet sich mit einer Mischung aus Rock, Pop und New Age wieder sehr vielseitig.
Neben den gewohnten Nummern, die sich höchstwahrscheinlich in jeder Stimmung gut für das Gänsehautfeeling im abgedunkelten Zimmer erweisen, ergänzen sich sogar sehr mainstreamige Stücke a la „A Night To Remember“ oder „Perfect Song“. Die Ballade „Love Attack“ erschlägt den Hörer geradezu mit purer Leidenschaft und elektrisierendem Gesang. Absolute Favoriten sind „Berlin“ und „If A Leave Has Fallen“. Letzterer erinnert stark an Bands wie Genesis oder Marillion. Und mit „Simple Man“ wagen sich Artistic Sound an ein Cover des Songs, den Streetman mit seinen Kollegen von Rifffactory schrieb.
Artistic Sound ist es wieder gelungen, sich neu zu erfinden und jeglichen Schubladen zu entfliehen. Ob die positive Entwicklung jedoch von der Allgemeinheit gewürdigt wird, bleibt abzuwarten. Etwas nennenswert Neues in der Musikszene können uns die beiden zwar nicht servieren, doch gestaltet sich der Gesamteindruck als durchaus positiv. Von der Note 5 ist hier deutlich abzusehen.
Hörbeispiele zum neuen Album findet Ihr unter folgendem Link: http://www.myspace.com/artisticsound
Vor einigen Wochen klingelte es an meiner Haustür und unsere Postbotin überreichte mir einen Umschlag mit einem ungewissen Inhalt. Ohne Absender, aber mit einem Poststempel aus Osnabrück - meine Gedanken kreisten in folgenden Gefilden: "Welche durchschnittliche Osnabrücker Deathmetal bzw. Blackmetal Band hat uns diesmal mit einem neuen Machwerk beehrt? Wem sende ich die Platte zur Rezension zu?" (Schön, dass es einen starken musikalischen Untergrund in Osnabrück gibt, aber leider sind da bis auf wenige Ausnahmen keine Bands für meinen persönlichen Geschmack dabei!
Bevor da wieder irgendwer was in den falschen Hals bekommt, möchte ich betonen, dass dies meine persönliche Ansicht ist und nicht die Ansicht der restlichen Mitarbeiter, die ihre eigene Meinung zu diesem Thema haben und auch behalten sollen - ich spreche ausschließlich nur für mich! Danke!) Die Spannung steigt ins unermessliche, ich öffne die Tüte und finde das neue Werk "Different Angle" von Artistic Sound und die Compilation "Return To Light Vol. 02" ( wird in einer gesonderten Besprechung im Feindesland.de vorgestellt) wo die Band mit dem Stück "The Rite" vertreten ist vor.
Wieder kreisen meine Gedanken: "Wo zum Teufel hast Du den Namen Artistic Sound schon mal gelesen oder gehört?" Ein Geistesblitz überfällt mich und ich begebe mich zu meinem CD Schrank um auf eine archäologische Ausgrabung zu gehen und suche gezielt nach einer Veröffentlichung von Drone247, wo ich mich dunkel dran erinnern kann, dass Artistic Sound dort einen Remix beigesteuert haben. Nach einer kleinen Staubvergiftung bin ich endlich fündig geworden und finde das Release "FastForWard And Never Rewind The Remixxx Files" wieder und bekomme die Bestätigung, dass Artistic Sound dort das Stück "Watch Me Fall" (Streetmann Mix) remixt haben ( Eine kleine Info am Rande: Drone247 haben sich 2005 aufgelöst - R.I.P.).
Wer die Besprechung bisher aufmerksam gelesen hat, wird sich jetzt die Frage stellen: "Wieso braucht der Kerl solange für diese Review?" Antworten: "Die CD Different Angle ist so komplex, dass es mehrere Hördurchläufe braucht um dieses Werk in Worte fassen zu können & eine gute und ausführliche Kritik lässt sich nun mal nicht in einem Zug in den Rechner tippen." Die Zeit ist ein Raubtier und an mir nagt es auch schon! Wer sind die kreativen Köpfe hinter Artistic Sound? Die Sängerin Tina von Garrel und der Soundtüftler Streetmann sind die Eckpfeiler dieses Pop - Projektes aus dem kleinen verschlafenen Städtchen Osnabrück in Niedersachsen. Streetmann's musikalische Karriere hat im Jahre 1989 mit dem Projekt "February Productions" seinen Lauf genommen. Nichts ist von Dauer und so wurde 1991 der Bandname "February Productions" gegen Artistic Sound ausgetauscht. Im Zeitraum von 1989 bis 2000 wurden 4 Alben fertiggestellt, die aber alle an einer Krankheit litten - eine schlechte Produktion.
Eigentlich suchte Streetmann 2001 nur eine Sängerin für sein neues Album "One Night Stand", bei dieser Suche ist Tina von Garrel zu Artistic Sound gekommen. Seit 2002 ist Tina von Garrel jetzt festes Mitglied des Projektes und bereichert mit ihrer Stimme die Musik von Artistic Sound. Anfang 2005 ist aus dieser Zusammenarbeit, dass mir vorliegende Werk "Different Angle" entsprungen. Wer hier eine Frauenstimme wie von den Qietscheentchen bzw. Heulbojen von Viva und MTV erwartet, braucht ab jetzt definitiv nicht weiterlesen. Wer mit Projekten wie Propaganda und Anne Clark was anfangen kann, sollte ab jetzt mal seine Augen schärfen. Klar entsprechen die Stimmen von Suzanne Freytag, Claudia Brücken ( Propaganda) und Anne Clark nicht dem heutigen musikalischen Zeitgeist, sie klangen im Schnitt wesentlich rauer und intensiver. Im Gegensatz fallen die heutigen Sängerinnen nicht mehr durch ihr Stimme auf, sondern definieren sich ausschließlich über ihr Aussehen und ihr Auftreten in den Medien.
Tina von Garrel von Artistic Sound knüpft zum Teil, an die alte Ära der guten Sängerinnen an und weiß durch Stimmbandarbeit zu überzeugen. Sicherlich gilt sie noch nicht zu den "Großen", aber der richtige Schritt ist gemacht und es wird schwer für Sie sich durchzusetzen, weil sie gesanglich nicht dem Ideal entspricht, dem unsere Labels und Promoter hinterher laufen. Ein hervorragende Stimme für diese Art von Popmusik, ihre dunkle bzw. rauchige Stimme gibt diesem Album einen gewissen Reiz bzw. Charme, den schon Anne Clark und Propaganda an den Tag gelegt haben.
Textlich haben sich die beiden Osnabrücker auch etwas einfallen lassen, was eigentlich nicht in die heutige Zeit passt. Die meisten Texte in der heutigen Zeit sind geprägt von völliger Belanglosigkeit und treiben jeden Rezensenten in den Wahnsinn, aber was ich hier vorfinde passt genau zur Musik. Die Schlagworte dieser CD dürften Verlust, Trauer und die Abrechnung mit der Vergangenheit sein - alles Themen die die alten Pop - Größen auch bearbeitet haben.
Bestimmt nicht riesig innovativ aber passend zum Sound und im Endeffekt zählt nur das Zusammenspiel aus Text und Sound, was das Endergebnis ausmacht. Musikalisch hat Streetmann eigentlich einen perfekten Brückenschlag hinbekommen - die Kreuzung aus alten Popstrukturen und dem heute sogenannten Future - Pop. Auf der einen Seite bekommt die interessierte Hörerschaft, schöne alte Popsounds geboten die zum Teil mit modernen Beats gekreuzt wurden. Das Beispiel schlechthin für diese Vermengung ist, der Track "Beat Conductor", wo moderne tanzbare Beats mit einer wundervollen Hintergrundklangcollage erarbeitet wurden. Dieses Stück vereinbart zwei Punkte, wunderbar zum Abtanzen geeignet aber auch schön zum Träumen oder Relaxen auf dem Sofa - unvorstellbar aber die Wahrheit. Ein Gegenbeispiel ist "Submarine", hier kommt der gute alte Charme der 80er auf - halte eine moderne Einspielung vom legendären Propaganda bzw. Anne Clark Sound. Sehr rhythmisch und verspielt, ein echter Ohrwurm der seine Hörer in den Bann ziehen dürfte.
Eine sehr gelungene Mischung, die bei Hörern des alten wie des neuen Pops ankommen dürfte. Wo es sonst an der Produktion gemangelt hat, ist dieses Problem abgestellt worden - das Werk wartet mit einem sehr reinen und klaren Sound auf. Ich denke das große Problem von Artistic Sound dürfte die Promotion bzw. Vermarktung sein - heutzutage gibt es einen großen Personenkreis, der auf diese Art von Pop abfährt, aber dafür müssen wesentlich mehr Magazine über diese hervorragende Musik und Band berichten.
Mit so einem Werk im Rücken, dürfte es möglich sein die passenden Partner für einen größeren Erfolg zu finden. Schön, dass ich mit einer Promo bedacht worden bin - endlich mal eine Band aus dem Osnabrücker Untergrund die mir persönlich sehr gut gefällt. Klar ist diese Musik absolute Geschmacksache, aber wer wie ich mit alten Pop aufgewachsen ist, kann seine Wurzeln nicht verleugnen und wird dieser CD etwas abgewinnen können.
Fazit: Eine Kreuzung aus altem und modernem Pop, die jedem Liebhaber dieses Genres das Herz höher schlagen lässt. Ich hoffe es war nicht der finale Schlag des Projektes sondern erst der Auftakt zu einer Reihe von interessanten Veröffentlichungen. Wer eine Ausgabe von "Different Angle" haben möchte, kann diese bestimmt über die Webseite bekommen. Eine schöne Besprechung ist zu Ende - ich hoffe der Weg von Artistic Sound nicht.
Danke!
Bewertung:
Punkte (Innovation): 7 von 15
Punkte (Gesamt): 13 von 15